Klimasensoren

nach Gefühlter Temperatur: Das Sensorprinzip

Ein heißer Sommertag läßt sich besser ertragen, wenn eine leichte Brise vom Meer weht. Ein sonniger, trockener Wintertag kommt einem viel wärmer vor als das Thermometer anzeigt. Für dieses thermische Empfinden sind im Wesentlichen zwei Faktoren ausschlaggebend, nämlich eine konstante innere Körpertemperatur um 37 °C und eine witterungsempfindliche Aussenhaut.
Die gefühlte Temperatur – Theoretische Grundlagen und Messverfahren
Der Begriff „Gefühlte Temperatur“ geht zurück auf langjährige weltweit durchgeführte meteorologische, medizinische und empirisch-soziologische Studien zum menschlichen Temperaturempfinden. Erste wissenschaftliche Publikationen zur effektiven Temperatur an industriellen Arbeitsplätzen stammen von C.P. Yaglou (USA, 1927). In der Arbeit von K. Büttner (1938) über die physikalische Bioklimatologie wurde erstmals die Notwenigkeit einer umfassenden Wärmebilanz des menschlichen Körpers postuliert..

Die Messergebnisse von P.A. Siple und C.F. Passel (1945) in der trockenen und kalten Luft der Antarktis lieferten die Grundlagen für den in Kanada, Nordamerika und Skandinavien bis heute verbreiteten Windchill-Index. Der Index beschreibt den Auskühlungseffekt bei niedrigen Lufttemperaturen in Abhängigkeit von der Windgeschwindigkeit. Dieses Rechenmodell berücksichtigt den starken Wärmeentzug der dem Wind ungeschützt ausgesetzten Haut. Der Index warnt vor drohenden Gewebserfrierungen beim winterlichen Aufenthalt im Freien. In dieser Tradition stehen die messtechnisch aufwändigeren Untersuchungen kanadischer und amerikanischer Wissenschaftlicher, wie U. Danielsson (1996) und P. Tikuisis (2003). Die in nordamerikanischen Wetterberichten häufig verwendete Windchilltemperatur wurde im Rahmen einer internationalen Arbeitsgruppe von Meteorologen zuletzt in der Wintersaison 2001/2002 auf eine neue physiologisch realistischere Basis gestellt. (http://www.nws.noaa.gov/om/windchill).


Das thermische Empfinden des Menschen wird aber nicht allein von dem Verhältnis von Lufttemperatur und Windgeschwindigkeit bestimmt. Die Luftfeuchtigkeit und der Einfluß der Intensität des Sonnenscheins je nach Jahreszeit und Bewölkungsgrad sind von erheblicher Bedeutung. Im Unterschied zu Windchill-Modellen umfasst die gefühlte Temperatur sämtliche für den Wärmehaushalt des Menschen thermisch relevante Größen. Die isolierte Messung der Lufttemperatur bildet in allen Untersuchungen und Modellen zur gefühlten Temperatur nur eine von vielen Variablen, die allein nicht ausreicht das tatsächliche Temperaturempfinden annähernd zu beschreiben. An feucht-heißen Sommertagen liegen die gefühlten Temperaturen um 20K und mehr über der isolierten Lufttemperatur, kalte stürmische Wintertage senken die gefühlte Temperatur um 15K und mehr unter den isolierten Celsiuswerten (Höppe 1999).
Der Mensch verfügt über keine selektiven Rezeptoren für die Lufttemperatur. Die menschliche thermische Sensitivität bemerkt Temperaturschwankungen über Veränderungen der Hautoberfläche und Anpassungsleistungen des Blutkreislaufes. Die Referenzgröße bildet dabei die konstante Körperinnentemperatur von ~37ºC. Als homöothermisches Wesen hält der Mensch diese innere Körpertemperatur unabhängig von wechselnden klimatischen Umgebungsbedingungen innerhalb geringer Schwankungsbreiten konstant, wissenschaftliche Publikationen nennen dies Kerntemperatur bzw. core temperature. Die autonomen Thermo- und Kreislaufregularien versuchen, den Behaglichkeitszustand eines thermischen Gleichgewichts herzustellen. Die im Körper erzeugte Wärme zum Erhalt der Körperinnentemperatur von 37ºC ist gleich der an die Umgebung abgegebenen Wärme.


Bei Kältestress sind die körpereigenen Reaktionen zur Stabilisierung des Wärmehaushalts (ohne Fell) äußerst begrenzt. Das Aufstellen der spärlichen Behaarung und Veränderung der Hautoberfläche, die sog. Gänsehaut, helfen nicht wirklich. Letztlich müßen externe Wärmequellen wie  isolierende Kleidung, Sonne, Heizung etc. helfen, den Behaglichkeitszustand wieder herzustellen. Die Warnfunktion des  Winchill-Index erfährt deshalb eine größere Beachtung in den kälteren nördlichen Regionen der Hemisphäre.
Anders bei Hitzestress. Mit steigenden Temperaturen sorgt die Wärmeregulation der Haut über vermehrtes Schwitzen für Verdunstungskälte. Der resultierende Wasserverlust von bis zu 5 Litern muß ersetzt werden. Reicht diese Thermoregulation nicht aus, öffnen sich die Blutgefäße, um die Wärme nach außen besser abzuleiten, der Blutdruck sinkt, die Pumpleistung des Herzen steigt. Spätestens bei dauerhaft über 40ºC Körperinnentemperatur kommt es zu lebensbedrohlichen Zuständen. Die Wärmebilanz ist nachhaltig gestört, die Wärmeableitung versagt. Nach dem Jahrhundertsommer 2003 mit europaweit 35.000 Menschen, die den tropischen  Temperaturen (40,2ºC in Gärnersdorf bei Amberg) zum Opfer fielen, richtet der Deutsche Wetterdienst ab Sommer 2005 einen Hitzewarndienst nach gefühlter Temperatur ein (www.dwd.de).

 

Die verschiedenen wissenschaftlichen Ansätze für Wärmebilanzmodelle zur gefühlten Temperatur lassen sich in zwei Gruppen einordnen: physiologische und klimatologische Modelle.

Die physiologisch ausgerichteten Modellvarianten berechnen möglichst alle für die Wärmebilanz und den thermoregulatorischen Affekt relevanten Werte des menschlichen Körpers. Ein solcher Modellansatz wurde an der Ludwig-Maximilians Universität München unter dem Titel MEMI entwickelt (Höppe 1999). MEMI steht für Munich Energybalance Model for Individuals. Hauttemperatur, Kerntemperatur, Schweißrate, Hautfeuchte, Wärmekonvektion und andere physiologische Daten werden für verschiedene Personentypen und intermediäre Bedingungen gemessen. Physiologische Daten gehen hier direkt in das Modell ein und nicht als abgeleitete Funktion aus den Klimawerten. Die Wirkung der variablen Klimawerte auf die erfassten physiologischen Faktoren bildet den Focus des Modellansatzes.
Die Bewertung der thermischen Effekte schwankender Umgebungsbedingung referiert auf ein definiertes Innen-Raumklima:
Lufttemperatur = mittlere Strahlungstemperatur;
Luftgeschwindigkeit maximal 0,1 m/s;
Wasserdampfdruck 12 hPa (entsprechend 50% rel. F bei 20ºC Lufttemperatur)
In dem Gleichungssystem des MIME-Modells führen Änderungen der variablen Klimafaktoren zu Änderungen der resultierenden physiologisch equivalenten Temperatur (kurz: PET). Beispielsweise verhält sich der Körper bei 30ºC Lufttemperatur, 60ºC Strahlungstemperatur, 2 hPa und 0,5 m/s wie bei 43 ºC Lufttemperatur. Die PET beträgt 43ºC (Höppe 1999). Die physiologisch equivalente Temperatur ist eine medizinisch relevante Größe zur Beschreibung bzw. Vorhersage der Körperreaktionen auf wechselnde Umgebungsbedingungen.

Die klimatologisch ausgerichteten Modellvarianten zielen darauf ab, einen integrierten Index für den thermischen Effekt der Klimawerte zu berechnen. Die International Society of Biometeorology arbeitet in einer international besetzten Kommission an einem „Universal Thermal Climate Index“. Aus Deutschland beteiligen sich daran der Deutsche Wetterdienst und die entsprechenden Fachinstitute der Universitäten Freiburg und München.

Herausragende Vertreter dieser Richtung sind G. Jendritzky (1979, 1990) und P.O. Fanger (1972). Das Klima-Michel-Modell von G. Jendritzky (1979) ist die offizielle Grundlage für die Vorhersage der gefühlten Temperatur und seit Sommer 2005 auch für Hitzestresswarnungen des Deutschen Wetterdienstes (www. dwd.de/medizinmeteorologie).

Das Klima-Michel-Modell bezieht sich auf die Wettersituation. Es konzentriert sich dabei primär auf die Klimawerte und berücksichtigt physiologische Faktoren indirekt. Die Hauttemperatur ist von klimatischen Faktoren, dem Isolationswert der Kleidung und vom Aktivitätsgrad abhängig. Die Verdunstung von Schweiß wird über einen von der Luftfeuchte abhängenden Korrekturwert integriert. Das Modell unterstellt einen Normalverbraucher, den Klima-Michel 35 Jahre alt, männlich, 75 kg Gewicht und 1,75 m groß. Damit werden weitere physiologische Faktoren als gegebene konstante Größe betrachtet, z.B. Speichermasse. Das Modell braucht als Eingangsgröße eine vollständige Wetterbeobachtung. Den Aktivitätsgrad definiert das Modell als Gehen mit 4 km/h (Energieumsatz 116 W/m²) mit saisonal angepasster Kleidung. Diese intermediären Bedingungen gehen über Konstante in die Berechnung ein.


Dieser Ansatz stützt sich auf die verläßlich messbaren und verfügbaren Wetterdaten für Lufttemperatur, Luftfeuchte, Windgeschwindigkeit und kurz- bzw. langwellige Strahlungseinflüße.
Wie bei der Bewertung der PET unterstellt das Klima-Michel-Modell ein gemäßigtes klimatisches Standardszenario:
Lufttemperatur = kurz- und langwellige Strahlungstemperatur;
Luftgeschwindigkeit maximal 0,2 m/s;
Wasserdampfdruck 12 hPa (entsprechend 50% rel. F.bei 20 ºC Lufttemperatur)
Das Klima-Michel-Modell berechnet bei den tatsächlich herrschenden Wetterbedingungen die Lufttemperatur in ºC, die in der Standardumgebung herrschen müßte, um ein identisches Wärme,- Behaglichkeits- oder Kältegefühl zu erzeugen. Das ist die gefühlte Temperatur nach dem Klima-Michel-Modell.
Das Verfahren verknüpft die Wärmeproduktion aufgrund des aktivitätsabhängigen Energieumsatzes unter Berücksichtigung der Wärmeisolation der Bekleidung mit den für die Wärmebilanz relevanten meteorologischen Faktoren. Das Klima-Michel-Modell macht auf Basis gemessener meteorologischer Daten physiologisch relevante Aussagen.


Das Klima-Michel-Modell überträgt die Erkenntnisse desvon P.O. Fanger (1972) empirisch-soziologisch ermittelten Komfortindexes für die Behaglichkeit in Räumen auf die wesentlich komplexere Wettersituation. Das Klimakomfort-Modell von Fanger stützt sich, wie beim daraus abgeleiteten Klima-Michel-Modell, auf die relevanten Klimawerte und Annahmen zum physiologischen Effekt der Bekleidung und des Bewegungsgrades, um das durchschnittliche Behaglichkeitsempfinden zu prognostizieren.
Die physiologischen Faktoren (Transpiration, Wärmekonvektion, Blutkreislauf etc.) berücksichtigt das Modell als Funktion der Klimavariablen und der intermediären Bedingungen. Zusätzlich wurden die thermoregulatorischen Reaktionen in statistischen Untersuchungen verifiziert.


Prof. P.O. Fanger (Uni Kopenhagen) gilt als der Pionier für die gefühlte Temperatur oder den Behaglichkeitsgrad in Räumen. Seit den 70er Jahren wurden zahlreiche empirische Untersuchungen nach einem genormten Befragungsablauf mit Männern und Frauen in verschiedenen Regionen der Welt durchgeführt. Die Ergebnisse dieser langjährigen weltweiten, empirisch-soziologischen Befragungen bilden die Grundlage für die internationale Norm über die Bedingungen der thermischen Behaglichkeit (EN ISO 7730, 1995). Die empirischen Aussagen und die abgeleitete Norm beziehen sich auf Menschen, die einem Innenraumklima ausgesetzt sind. Im Ergebnis liefert das Klimakomfort-Modell von Fanger einen repräsentativen Vorhersagewert des Wärme- bzw. Kälteempfindens als Grad des Unbehagens von Menschen in einem Wohn-, Arbeits- oder Versammlungsraum.


Da der Mensch aber nicht Standard sondern Individuum ist, kommt es individuell auch zu abweichenden Beurteilungen von thermischem Komfort oder Diskomfort. Diese Abweichungen vom Durchschnitt lassen sich nach P.O. Fanger mit einer Wahrscheinlichkeit des Empfindens von Diskomfort ausdrücken. Der Grad des Diskomforts beschreibt physiologisch korrekt die gefühlte Temperatur.
Das Fanger´sche Klimakomfort-Modell prognostiziert also einen Durchschnittswert für das thermische Behaglichkeitsempfinden einer statistisch ausreichend großen Personenzahl. Als Maßeinheit nennt das Modell das PMV (Predicted Mean Vote), d.h. vorausgesagtes mittleres Votum über den Klimakomfort.
Die entscheidenden Parameter der Berechnungsformel für die PMV sind:
Icl= Wärmeisolation der Bekleidung von 0,5clo für Sommerkleidung bis 1,5clo für den Wintermantel ,1 clo entspricht 0,155 m² K /W, (nach ISO 9920 )
M = metabolische Rate des Energieumsatzes verschiedener körperlicher Tätigkeiten, z.B. 70W/m² (1,2 MET) für sitzende Bürotätigkeit oder 116 W/m² (2,0 MET) für stehende, mittelschwere Maschinenbedienung (nach ISO 8996)
var = mittlere Luftgeschwindigkeit im Raum (0 bis 1 m/s)
ta = Lufttemperatur (10 bis 30 C)
tr= mittlere Strahlungstemperatur (10 bis 40 C)
pa = partieller Wasserdampfdruck (in der Norm wird der Messbereich bis max. 2700  pa angegeben)


Der nach dem Modell errechnete PMV-Index beschreibt folgende Zustände:



+3 zu warm
+2 warm
+1 etwas warm
 0 neural
-1 etwas kühl
-2 kühl
-3 kalt
Ein PMV von 0 bedeutet, dass 95% einer Personengruppe das herrschende Umgebungsklima als behaglich einstufen. Physiologisch interpretiert befindet sich die überwiegende Mehrheit in einem thermischen Gleichgewicht der Wärmebilanz. Der PMV-Wert läßt sich nach der in der Norm festgelegten Formel in einen Diskomfort-Index umwandeln, der PPD (Predicted Percentage of Dissatisfied).
Eine zweite Zielrichtung der EN ISO 7730 nach Fanger besteht in einer Festlegung der Bedingungen für ein behagliches Raumklima (PMV 0).



Als Referenz beschreibt die Norm eine Raumsituation mit Luftfeuchten zwischen 30% und unter 70% rel.F ohne Differenz zwischen Strahlungs- und Lufttemperatur (ta=tr). Die subjektiven konstanten Größen beziehen sich auf eine vorwiegend sitzende Bürotätigkeit (met 1,2) mit leichter Alltagsbekleidung (clo 1). Nach dem Klimakomfort-Modell entstehen Iso-Behaglichkeitslinien. Entlang der Iso-Behaglichkeitslinien sagt das Modell einen Zufriedenheitsgrad von 85% voraus.
Die beispielhafte Grafik (Abb. 3) verdeutlicht den in der ISO 7730 dargelegten engen Zusammenhang zwischen Zugluft und Behaglichkeitsempfinden. Schon 10cm/s Luftbewegung mehr erhöht die Zahl der Unzufriedenen, die über ein unangenehmes Klima am Arbeitsplatz, in Konferenzräumen und in Wohnungen klagen. Mit steigender Luftströmung um 10 cm/s müßte die Temperatur um 4 K erhöht werden, um konstante Behaglichkeitsbedingungen zu gewährleisten. Mit Turbulenzen durch Deckenkühlungen, Bodenheizungen, Konvektoren, Ventilatoren etc. tritt der Zuglufteffekt schon bei geringeren mittleren Luftgeschwindigkeiten in Erscheinung

Die aus den empirischen Grundlagenforschungen von Prof. Fanger abgeleitete EN ISO 7730 bildet eine wichtige Grundlage zur Planung, Bewertung und Begutachtung des integrierten thermischen Effektes in allen klimatisierten Räumen. Das Klimakomfort-Modell beschreibt die durchschnittlich zu erwartende gefühlte Temperatur in Räumen ausgedrückt als Komfort bzw. Diskomfort-Index.

Alle Wärmebilanzmodelle enthalten komplexe Algorithmen. Sie eignen sich nicht zur unmittelbaren und permanenten Messung der gefühlten Temperatur und schon gar nicht zur Regelung der Behaglichkeit in Räumen. Üblicherweise erfolgt die Regelung des Raumklimas mit widerstandsabhängigen Sensoren zur separaten, isolierten Erfassung der Lufttemperatur. Die EN ISO 7730 selbst verweist auf verschiedene Standardverfahren zur separaten Erfassung einzelner physikalischer Größen (Klimawerte) des Umgebungsklimas nach ISO 7726 (1985).
Inzwischen gibt es auch integrierte Messtechniken, die sich an den theoretischen Modellen zur gefühlten Temperatur bzw. Behaglichkeit orientieren. Bevorzugte Beachtung finden dabei die stärker an physikalischen Klimawerten konzentrierten Modelle, insbesondere das für die Raumklimaregelung wichtige Vorhersagemodell nach EN ISO 7730.
Messtechniken zur direkten Erfassung der Behaglichkeitsfaktoren unterscheiden sich in Zielsetzung und Messaufbau.
Komfortsensoren sind Kombinationssensoren. Sie erfassen die klimatischen Werte als Eingangsdaten für nachgelagerte Algorithmen. Durch besondere Zugluftempfindlichkeit und Einbeziehung von thermischen Strahlungseffekten, versuchen solche Komfortsensoren sich den Anforderungen der EN ISO 7730 anzunähern. Komfortsensoren sind in der Lage die in EN ISO 7730 Abschnitt A5 und Anhang D dargelegte Zugluftabhängigkeit des Behaglichkeitsempfindens als integriertes thermisches Signal zu messen. Der thermische Einfluß der Raumfeuchte und physiologische Faktoren bleiben hingegen ausgeklammert. Diese Faktoren finden allenfalls Berücksichtigung in den hinterlegten Algorithmen der nachgeschalteten Auswerteeinheit. Diese Kategorie von Messinstrumenten nutzt vorzugsweise kalorimetrische Prinzipien. Die laborähnlichen Instrumente dienen zur Überprüfung und Begutachtung des Raumklimas selten jedoch zur unmittelbaren und permanenten Regelung.

Sensoren zur Messung der gefühlten Temperatur liefern ein unmittelbar verwertbares integriertes Temperatursignal, das sich dem thermischen Gesamteffekt des Umgebungsklima unter Berücksichtigung physiologischer Faktoren annähert. Zielsetzung ist die Regelung von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen nach gefühlter Temperatur in Anlehnung an das Klimakomfort-Modell nach EN ISO 7730. Solche Sensoren berücksichtigen physiologische Faktoren bereits im Messaufbau und nicht nur als Algorithmus. Vorherrschendes Prinzip ist die Temperaturdifferenzmessung. Als Referenztemperatur nutzen solche Sensoren die Körperinnentemperatur, die im Sensor konstant erzeugt wird. Hygroskopische Beschichtungen der sensitiven Fläche integrieren den Feuchtegehalt, analog zum Klima-Michel-Modell, als thermischen Korrekturwert.

In Ergänzung zu den Standardmessverfahren für separate Einzelwerte des Umgebungsklimas nach ISO 7726 bedarf es zusätzlicher Kriterien für integrierte Messverfahren zur Erfassung des thermischen Gesamteffektes des Umgebungsklimas nach EN ISO 7730. Aus den Wärmebilanzmodellen und unter Berücksichtigung neuer messtechnischer Möglichkeiten lassen sich zwei allgemeine Kriterien für integrierte Messverfahren ableiten:
Die Kalibrierung integrierter Messtechniken sollte im Standardklima der Wärmebilanzmodelle erfolgen: Lufttemperatur = Strahlungstemperatur, Normalfeuchte 50% rel.F bei 20ºC, 0,15m/s Luftbewegung .

Zur Erfassung der Behaglichkeit des Umgebungsklima oder der gefühlten Temperatur sollte, in Abgrenzung zu anderen Temperaturmessverfahren, mindestens ein nachvollziehbarer direkter Bezug zu den physiologischen Faktoren der gefühlten Temperatur bestehen. Beispiele: die Wärmekonvektion als gemessener Zuglufteffekt nach EN ISO 7730, die Transpirationsrate als gemessene Feuchteabhängigkeit der gefühlten Temperatur nach dem Klima-Michel-Modell, die Körperinnnentemperatur als gemessene Referenzgröße nach dem MIME-Modell oder die messtechnische Erfassung eines Temperaturgradienten der dem Verhältnis zwischen Körperinnentemperatur und Hauttemperatur entspricht .

Die im deutschsprachigen Raum so bezeichnete gefühlte Temperatur (perceptive , effective, real feeled temperature sind im angelsächsischen Sprachraum gebräuchliche Begriffe) erweist sich als objektive Größe, deren Parameter und Interdependenzen grundlegend erforscht sind und in komplexen Wärmebilanzmodellen berechnet werden. Erste Ansätze für eine direkte messtechnische Umsetzung der gefühlten Temperatur als integriertes thermisches Signal orientieren sich an dem Klima-Michel-Modell bzw. an dem Klimakomfort-Model für Innenräume nach EN ISO 7730.
LITERATUR
1. Relevanten Normen und Standards
ISO 7730: Ermittlung des PMV und des PPD und Beschreibung der Bedingungen für thermische Behaglichkeit, 1995
EN 13731 (ISO/DIS 9920): Ergonomie des Umgebungsklimas, 2001
ISO 8996: Analytische Bestimmung und Beurteilung der Wärmebelastung durch Berechnung der erforderlichen Schweißrate, 1989
ISO 7933: Ermittlung der Wärmebelastung des arbeitenden Menschen mit dem WBGT-Index, 1989
VDI-Richtlinie 3787: Methoden zur human-biometeorologischen Bewertung von Klima und Lufthygiene für die Stadt-   und Regionalplanung, Teil I und II, Düsseldorf, VDI 1996.
ISO 7726: Umgebungsklima – Instrumente und Verfahren zur Messung physikalischer Größen, 1985
DIN 33403: Klima am Arbeitsplatz und in der Arbeitsumgebung Teil 1-3

2. Vertiefende Fachartikel
Büttner, K. (1938): Physikalische Bioklimatologie, Akademische Verklagsgesellschaft Leipzig
Brajkovic, D, u.a. (2001): Relationship between body heat content and finger temperature during cold exposure; Journal of Applied Physiology 90, 2445-2452
Danielsson, U (1996): Windchill and the risk of tissue freezing; Journal of Applied Physiology 81, 2666-2673
Deutscher Wetterdienst DWD (2003): H. Staiger, Gefühlte Temperatur, Schwüle und Windchill, Freiburg 2003.
Fanger, P.O., (1972): Thermal Comfort, Analysis and Applications in Environmental Engeneering. McGraw-Hill, New York
Frank, W. (1968): Die Erfassung des Raumklimas mit Hilfe richtungsempfindlicher Frigometer, Gesellschaft f. Ingenieurwissenschaften, H.10, 301-308
Höppe, P. (1999) : The physiological equivalent temperature – a universal index for the biometeorological assessment of the thermal environment. Int. Journal of Biometeorology (1999) 43, 71-75
Höppe, P. (1994): Die Wärmebilanzmodelle MEMI und IMEM zur Bewertung der thermischen Beanspruchung am Arbeitsplatz, Deutsche Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin, 34, 153-158
Jendritzky, G., (1993): Atmospheric Environment - An Introduction. Experientia, 49(9),1-8 Jendritzky, G., u.a. (1990): Methodik zur raumbezogenen Bewertung   der thermischen Komponente im Bioklima des Menschen (Fortgeschriebenes Klima-Michel-Modell),.Beiträge der Akademie für Raumforschumforschung und  Landesplanung, Hannover, 114 (90)
Jendritzky, G., u.a. (1998): The mortality/climate study of the Deutsche Wetterdienst, American Meteorological Society (98), Boston, 297-300
Siple P.A; Passel, C.F. (1945): Measurements of dry atmospheric cooling in subfreezing temperatures, Proceedin gs of American Philosophic Society, 89, 177-199
Steadman, R.G. (1979): The assessment of sultriness, Part I: A temperature-humidity index based on human physiology and clothing science, Journal for Applied Meteorology 18, 861-873
Tikuisis, P. (2003): Finger cooling during cold air exposure, American Meteorological Society, May 2004, 717-723
Yaglou, C.P. (1927): Temperature, humidity and air movement in iindustries. The effective temperature index, Journal for Industrial Hygiene 9,  297 ff
3. Links
http://www.nws.noaa.gov/om/windchill
http://www.msc.ec.gc.ca/windchill/index_e.cfm
http://portal.uni-freiburg.de/meteo
http://arbmed.klinikum.uni-muenchen.de
www.dwd.de
www.biometeorology.org